Konfuzius und ich
„Das Lernen ist wie ein Meer ohne Ufer“
Nach einem Semester an einer Pekinger High School und zwei Jahren
Chinesisch lernen am Gymnasium Marienthal wird mir immer klarer, warum
das nur ein Chinese gesagt haben kann.
Mit seinem Ausspruch hat Konfuzius (551-479 v.Chr.), Namensgeber der
Konfuzius-Institute,
wohlklingend ausgedrückt, was früher oder später jeder beim Studieren
der Abertausenden scheinbar zum Verwechseln ähnlicher Schriftzeichen
erlebt.
Konfuzius wurde nicht zufällig Namensgeber der Konfuzius-Institute,
einer Reihe global operierender Universitätsfakultäten, die sich die
Verbreitung der chinesischen Sprache und Kultur auf die Fahne
geschrieben haben.
Und wenn man dann so weit ist und sich, ob privat oder während des
jährlichen Austauschs zwischen der Shanghaier Partnerschule Min Li
Highschool und dem GymMar, ins Reich der Mitte aufmacht, muss man doch
frustriert mit ansehen, wie kleine Kinder einen wie mich, kurz vor dem
Abi, um Längen schlagen.
Dass man sich von Rückschlägen aber nicht entmutigen lässt, dafür
sorgen die vier hoch motivierten Chinesisch-Lehrer an unserer Schule:
Frau Chen Yang, Frau Piao Xue-Hua, Frau Maedje-Cheng, Herr Torben
Schmidt (im Chinesischen wird der Nachname vorangestellt).
Sie tun das mit typisch asiatischem Arbeitseifer, ob in die Wiege
gelegt oder (bei Herrn Schmidt) angelernt.
So regte Frau Maedje-Cheng mich Anfang des Jahres 2007 dazu an, ein
beeindruckendes Erlebnis im Zusammenhang mit meinem China-Aufenthalt
essayistisch niederzuschreiben und damit am landesweiten Chinesisch
Wettbewerb „Tina in China“ des Konfuzius-Instituts der Universität
Nürnberg-Erlangen teilzunehmen.
Als ich einige Wochen später dazu eingeladen wurde, meinen Aufsatz
einer Jury aus Professoren, Botschaftsdeputierten und
Institutsmitarbeitern zu präsentieren, wich die Freude darüber aber
schnell der Nervosität.
Die Feststellung, dass ich unter allen zehn Finalisten auch noch der
einzige Nicht-Student sein würde, konnte meine Aufregung nur noch
steigern.
Glücklicherweise erklärte sich Frau Maedje-Cheng aber bereit, meinen
Vortrag mit mir zu üben, so dass ich doch gut vorbereitet nach Nürnberg
aufbrach, wo ich im Audimax der Wirtschaftsfakultät einigen hundert
Zuhörern von einem schicksalhaften ersten Familienessen in Peking und
meiner Interpretation der chinesischen Lebensart erzählen durfte; alles
in Mandarin, versteht sich.
Als ich dann den zweiten, mit Flugticket nach Peking dotierten Platz
erhielt, war ich ebenso erstaunt wie erleichtert. Meinen Preis habe ich
mittlerweile natürlich eingelöst: Ich habe gebucht. Im Frühjahr 2008
werde ich fast drei Wochen in Peking und Shanghai verbringen. Mal
sehen, ob ich dann bereits die Tiefsee verlassen habe und zumindest in
Ufernähe gelangt bin.

Philipp Mayer, S3/ 13. Klasse