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XIV. Schulbrief der Senatorin

by Webmaster last modified 2010-11-29 11:41

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,


ein außergewöhnliches Jahr für die Hamburger Schulen neigt sich allmählich dem Ende zu. Dieses Jahr war geprägt von der kontroversen Diskussion über die Primarschule. Entsprechend
war das Ergebnis des Volksentscheids vom 18. Juli für manche eine Erleichterung, für andere eine Enttäuschung.


Doch außergewöhnlich ist dieses Jahr auch noch im Hinblick auf viele andere Aspekte:


Unsere Grundschulen konnten ihren neuen Erstklässlern unter organisatorisch schwierigen Bedingungen einen reibungslosen Schulbeginn bereiten.


Überall in Hamburg haben sich die neuen Stadtteilschulen auf den Weg gemacht, mit vielen Plänen und großer Zuversicht. So wurden zum Beispiel an 12 Standorten erstmals 11. Klassen
eingerichtet.


Hamburgs Gymnasien haben einen doppelten Abiturjahrgang verabschiedet und damit die Herkulesaufgabe der Umstellung von G9 auf G8 bewältigt.


Die Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf konnten erstmals in der 1. und der 5. Klasse einen Rechtsanspruch auf integrative Beschulung geltend machen. Sehr
viele von Ihnen haben dieses Angebot wahrgenommen.
16 Grundschulen haben erstmalig den Ganztagsschulbetrieb aufgenommen und sich damit auf einen neuen pädagogischen Anspruch und die Bedürfnisse vieler Hamburger Familien
eingestellt.


Mit dem Start der Regionalen Bildungskonferenzen wurde die Grundlage für eine neue Kultur der Zusammenarbeit in den Bezirken gelegt.


Vieles mehr wäre zu nennen. Dies zeigt: 2010 war für alle ein sehr arbeitsreiches Jahr. Hierfür möchte ich den Lehrkräften, allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den engagierten
Eltern, Schülerinnen und Schülern in Hamburgs Schulen herzlich danken.

Arbeitsreich war das Jahr zweifellos auch für uns als Behörde für Schule und Berufsbildung. Im Nachgang des Volksentscheids wurde eine ganze Reihe von Anpassungen erforderlich. Angefangen beim neuen Schulgesetz im September über die neue Schulorganisationsverordnung im Oktober bis zur laufenden Überarbeitung von Bildungsplänen sowie Ausbildungs- und Prüfungsordnungen.


Als nächstes steht nun ein überarbeiteter Schulentwicklungsplan an, der auf einer Schulstruktur aus vierjähriger Grundschule, neunjähriger Stadtteilschule und achtjährigem Gymnasium aufbaut. Die Überarbeitung der Schulentwicklungsplanung wird im kommenden Frühjahr vorgelegt. Die Anmelderunde zum Schuljahr 2011/2012 findet im normalen Verfahren wie gewohnt statt.


Mit diesem Schuljahr wurden die Klassen in unseren Grundschulen verkleinert. Beginnend mit den 1. Klassen werden zukünftig höchstens 23 Kinder in einer Klasse sein, in benachteiligten Stadtteilen sogar nur 19. Die Größe der 5. und 6. Klassen an Stadtteilschulen wurde auf maximal 23 Schülerinnen und Schüler festgelegt – beginnend mit den kommenden 5. Klassen. Nicht zuletzt auch deshalb, damit sie in der 7. Klasse zusätzliche Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium aufnehmen können.

Herzstück der Hamburger Schulreform bleibt auch im kommenden Jahr die Arbeit für eine neue Lernkultur an unseren Schulen. Sie betrifft gleichermaßen alle Schulformen - Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien.

Künftig soll sich der Unterricht stärker an den unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Kinder orientieren. Die Lehrerinnen und Lehrer werden hierfür seit 2008 fortgebildet.


Auf drei Änderungen möchte ich besonders hinweisen:


1. Die gezielte Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Leistungsschwächen ersetzt zukünftig das Wiederholen von Klassenstufen. Abschulungen vom Gymnasium in die Stadtteilschule gibt es zwischen der 7. und der 10. Klasse dann nicht mehr. Diese Veränderung greift erstmals für die jetzigen 7. Klassen.


2. Einmal im halben Jahr führt die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer mit den Eltern und der Schülerin/dem Schüler ein Gespräch über Lernstand und Lernentwicklung. Diese Änderung greift erstmals für die jetzigen 1. bis 4. und 7. Klassen sowie für die 5. Klassen der Starterschulen.


3. Die Leistungsrückmeldung für den Lernstand der Kinder wird in den Klassen 1 bis 3 in schriftlichen Berichten dokumentiert. Wenn die Eltern dies wünschen, werden im Jahreszeugnis der 3. Klasse zusätzlich Noten erteilt.

Zudem wird gegenwärtig intensiv darüber diskutiert, ob ein neues Punktesystem zur Leistungsbewertung eingeführt werden soll. Die Beratungen dazu sind noch nicht abgeschlossen. Der Amtsleiter Bildung wird die Schulen in Kürze über den aktuellen Diskussionsstand informieren.

Neben diesen Änderungen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit und Anstrengung dem Ziel, die Stadtteilschulen in Hamburg zum Erfolg zu führen. Die Stadtteilschule als neue Schulform bietet alle Abschlüsse an. Sie ersetzt die bisherigen Gesamtschulen, Haupt- und Realschulen und Aufbaugymnasien. Sie soll eine gleichwertige Alternative zum Gymnasium werden.

Von großer Bedeutung ist auch die Verbesserung des Übergangsystems von der Schule in den Beruf. Für die allgemeinbildenden Schulen bedeutet dies unter anderem eine frühe und verbindliche Berufsorientierung für alle Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse. Die neue Berufsorientierung mit Elementen wie dem individuellen Berufswegeplan für jede Schülerin und jeden Schüler startet im Schuljahr 2011/2012.

Und nicht zuletzt setzen wir darauf, das Ganztagsangebot in unserer Stadt weiter auszubauen. Hierfür ist die Zusammenarbeit zwischen Horten und Grundschulen in der „Ganztägigen Bildung und Betreuung“ ein wichtiger Ansatz. Sie bringt die Kompetenzen und Erfahrungen der Hortpädagogik in die Ganztagsschule ein und gibt den Eltern die Möglichkeit, Bildung und Betreuung für ihr Kind aus einer Hand zu erhalten. Kostenlos und verlässlich von 8 bis 16 Uhr, mit zusätzlichen kostenpflichtigen Betreuungszeit vor 8 und nach 16 Uhr sowie in den Ferien.

Dort, wo die qualitativen Voraussetzungen geschaffen werden, können Horte und Schulen bereits im kommenden Schuljahr mit dem neuen offenen Ganztagsschulangebot starten. Dabei ist mir aber ganz wichtig: Es wird keinen Qualitätsrabatt geben. Nicht überall, wo es von den Eltern gewünscht wird, kann die Kooperation schon im kommenden Jahr beginnen. Denn mit einer überstürzten Einführung wäre niemandem gedient. Wir wollen die Initiative vor Ort nicht bremsen. Wir wollen sie aber auch nicht überfordern.

Zum Ende dieses außergewöhnlichen Jahres bekomme ich aus unseren Schulen ein sehr gemischtes Stimmungsbild gespiegelt. Viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer sagen mir: Sie wollen in ihrer Motivation und ihrer Bereitschaft zur Veränderung nicht entmutigt werden. Sie wollen aber auch die Ruhe und Verlässlichkeit, um sich auf guten Unterricht konzentrieren zu können.

Gerade deshalb scheint mir die Feststellung wichtig: Wir haben in diesem Jahr unglaublich viel geschafft! Die weiteren qualitativen Verbesserungen wollen wir Schritt für Schritt, mit Gründlichkeit und Realismus umsetzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre

Christa Goetsch

Holstenhofweg 86
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