Bericht über den Shanghaiaustausch 2009
Hier finden sie den Bericht einiger Schüler/innen und Kolleg/innen, die den Shanghaiaustausch 2009 begeleitet haben.
Im März 2009 war es endlich wieder so weit. Von Hamburg über London ging es für knapp zwei Wochen in die Metropole Shanghai zu unserer Partnerschule und anschließend für zwei Tage nach Beijing. Die unterschiedlichen Eindrücke und Erlebnisse schildern die mitgereisten Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 9-12 sowie die begleitenden Lehrerinnen und Lehrer in den folgenden Kurzberichten. Neben den überwältigenden Eindrücken und der herzlichen Aufnahme durch unsere Partnerschule, teilt die gesamte 21-köpfigen Reisegruppe schon jetzt die Vorfreude auf den Gegenbesuch im Juli.
Chinesisches „Rundum-sorglos-Paket“ von Frau Pache
Der Aufenthalt in Shanghai und Peking war von chinesischer und deutscher Seite großartig organisiert, sodass wir uns sorglos den überwältigenden Eindrücken hingeben konnten. Zu jeder der interessanten Sehenswürdigkeiten wurden wir auf bequeme Weise chauffiert und von freundlichen chinesischen Reiseführern mit zahlreichen Informationen versorgt. Nur so war es möglich, in kürzester Zeit so viele verschiedene Punkte in und um Shanghai und Peking zu besuchen. Die Reise gestaltete sich als ein „Rundum-sorglos-Paket“.
Doch auch der eine Tag, an dem ich ganz allein auf mich gestellt durch Shanghai streifen konnte, gefiel mir ganz besonders gut. Denn an diesem Tag blieb die Muße, die Shanghaier Bevölkerung in aller Ruhe zu beobachten und sich von den Unterschieden zwischen westlicher und asiatischer Kultur beeindrucken zu lassen. Allein die gelassene und zuvorkommende Fahrweise der Chinesen im dichtesten Berufsverkehr war im Vergleich zu deutscher Fahrweise erstaunlich. (Leider gelang es mir – zurück in Hamburg – nur wenige Tage, diese Fahrweise zu imitieren, dann hatte mich der deutsche Fahrstil wieder eingeholt.) Der Aufenthalt in China war so beeindruckend, dass ich mir sicher bin, ein weiteres Mal nach China zu reisen und die ersten Einblicke in die chinesische Kultur zu vertiefen.
Chinesischer (Frontal-) Unterricht von Frau Hallier
Ich habe den Chemieunterricht der Min Li-Schule besucht. Überrascht hat mich, dass es dort keine Fachräume für Chemie gibt, sondern der Unterricht im Klassenzimmer stattfindet. Die Schüler sitzen zu zweit an sehr kleinen, sehr niedrigen Tischen auf unbequemen Holzstühlen eng beieinander. Das hat mich sehr an meine Zeit am Istanbul Lisesi in der Türkei erinnert. Alle haben ein Arbeitsbuch, in dem die Ergebnisse des Unterrichts festgehalten werden. Es ist trotz der Enge und des Luftzugs (alle Fenster waren offen, die Gardinen flatterten bei ca. 15°C) eine gute Arbeitsatmosphäre. Sie hängt allerdings von den Entertainment-Qualitäten des Lehrers ab, da der Lehrer hier der Alleinunterhalter mit fast 100% Redezeit ist. Dem Chemielehrer gelang es, die 40 Minuten auch mit Gelächter unterhaltsam und lehrreich, wenn ich das Tafelbild richtig interpretiere, zu füllen. Es war insgesamt eine für mich interessante Stunde.
Chinesische (Ess-) Kultur von Jessica, 17
Ich lebte in den drei Tagen in meiner Gastfamilie, mit meinem Gastvater, meiner Gastmutter und meiner Gastschwester Lily zusammen. Ein besonderes Erlebnis in dieser Zeit war die „Konfrontation“ mit der chinesischen Essenskultur, die ich während dieser Tage erlebte.
Ich lernte das chinesische Essen, was ich bisher nur aus den Restaurants kannte, selbst gemacht kennen und hatte die Chance auch selber zu kochen. Ich lernte, wie man chinesische Teigtaschen machte, welche mit Algen und Hack gefüllt wurden, wobei die ganze Familie, sowie auch die Großmutter an dieser Familientradition teilnahmen. Es war besonders mit anzusehen, wie aus diesem Kochen ein Ritual gemacht wurde, was anscheinend öfters geschah.
Auch die vielen verschiedenen Speisen, die ich kennen lernte, faszinierten mich, sowie zum Beispiel Lotuswurzeln und Bananenblätter mit Reis und Fleisch gefüllt, wobei mir mein Gastvater immer einen historischen Hintergrund zu den verschiedenen Speisen erzählen konnte. Somit war es sehr besonders für mich kennen zulernen, wie die Chinesen ihre Essenskultur doch jedes Mal zu einer Tradition machen.
Rasante (Stadt-)Entwicklung von Herrn Langer
Mir war es vergönnt, zwei Jahre in Folge an unserem Austausch teilzunehmen, sodass ich den rasanten Wandel Shanghais an vielen Stellen deutlich sehen konnte. Die East Wujiang Lu war noch 2008 eine angesagte Garküchenmeile – ein Treffpunkt für die bessergestellte, jüngere Stadtbevölkerung – voller Leben mit sich stapelnden, abgenagten Holzspießen und leeren Austernschalen zu den Füßen. Vom frühen Abend bis spät in die Nacht belebte das Stimmengewirr, leise auf die Straße klingende Musik aus einigen Küchen und das permanente Zurufen der Bestellungen die Gasse. Bereits ein Jahr später muss eine andere Ecke angesagt sein, denn an den wenigen geöffneten Küchen treffen sich bei weitem nicht so viele Menschen wie im Jahr zuvor. Und das trotz (oder wegen?) der Eröffnung einer modernen, auf westlich getrimmten Einkaufsstraße gleich nebenan im westlichen Teil der Gasse. Jetzt wirken beide Straßen tagsüber und abends unbelebt. Es bleibt zu hoffen, dass sich Shanghai über die denkmalgeschützten Gebäude und das Altstadtviertel hinaus quirlige Quartiere jenseits der von KFC und Starbucks dominierten Szeneviertel bewahrt.
Wohnen in Shanghai - mehr Sein als Schein von Milan, 15
Am Freitag, den 13. März 2009 begann für alle Reisenden die spannendste Zeit unserer Chinareise. Alle Schüler/innen würden nun für drei Tage in ihre Gastfamilien gehen. Die meisten, genauso wie ich, wussten überhaupt nicht, was sie erwartet.
Nachdem ich meine Austauschschülerin - ich war der einzige der nicht mit dem gleichen Geschlecht zusammenkam - kennengelernt hatte, begaben wir uns auf den Weg zu ihr nach Hause. Zuerst fuhren wir mit einem in der Rush Hour völlig überfüllten Bus in den Stadtteil, in dem sie lebt. Auf dieser Fahrt bekam ich schon ein komisches Gefühl, da die Gegend nicht sehr einladend aussah. Als wir schließlich in ihr Wohnviertel einbogen, wurde mir klar, hier wirst du keine guten Mahlzeiten bekommen, kein eigenes Zimmer haben, wahrscheinlich keine europäische Toilette und vielleicht noch nicht mal ein eigenes Bett. Ich probierte meine Erschrockenheit so gut es ging zu verbergen. Wie sich jedoch schnell herausstellte wohl nicht gut genug, denn sie fragte: „Are you afraid?“ Ich verneinte dies schnell und hoffte weiter, dass meine Befürchtungen nicht eintreffen würden.
Zum Glück wurde mir beim Betreten der Wohnung schnell klar, dass alle meine Befürchtungen umsonst waren, und dass diese Zeit nicht meine schlimmste Zeit in China sein würde. Im Gegenteil, es wurde mit die beste Zeit meiner Reise.
Ein Sonntagmorgen in Shanghai von Sebastian, 18
Früh am morgen weckte mich mein Gastschüler. Mit merkwürdig verspanntem Nacken begab ich mich ins Badezimmer der Neubauwohnung mitten in der Innenstadt. Ich stieg unter die Dusche, drehte den Wasserhahn auf und… Man war das Wasser kalt. Erst jetzt wurde mir wieder richtig bewusst, dass hier in China nicht alles wie in Deutschland war.
Natürlich braucht das warme Wasser hier in China einige Minuten, bis es im 17ten Stockwerk angekommen ist. Und meine Nackenschmerzen kamen selbstverständlich von der typischen, angeblich rückenschonenden, steinharten chinesischen Matratze.
Fürs Frühstück blieb wenig Zeit, schließlich hatten wir viel geplant.
Mit dem Fahrstuhl die 17 Stockwerke zwischen uns und dem Erdboden überwunden, warteten Sam, mein Gastschüler, und ich, auf seinen Vater, der uns mit seinem Auto zu einer Bank fahren wollte, denn ich hatte angekündigt, Geld wechseln zu wollen.
Zwar war ich noch skeptisch an einem Sonntag eine geöffnete Bank zu finden, doch schon die überfüllten Straßen beseitigten meinen letzten idealistischen Glauben an einen Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung. Kaum waren wir ins Auto eingestiegen, ein neuer Nissan mit beigen Ledersitzen, waren wir, dank dem wilden Fahrstil meines Gastvaters, auch schon drei Straßen weiter.
Ich persönlich hatte schon nach zwei Kreuzungen weitestgehend den Überblick verloren, aber er schien zu wissen wo er hin wollte.
Den Geldwechseln getätigt – viel Papierkram und viele bunte Stempel - ging es weiter zum mit den anderen Austauschschülern vereinbarten Treffpunkt. Wir alle wollten uns eine traditionelle chinesische Massage geben lassen, die wir nach nun mehr vier Nächten „rückenfreundlicher“ Matratze und vorherigem Zwölfstundenflug auch alle bitter nötig hatten. Das Massagestudio gehörte den Eltern einer Gastschülerin und für umgerechnet nicht einmal 10€ knetete der Masseur sämtliche Verspannungen aus meinem Rücken. Der aufregenden Sonntagmorgen endete mit einem Mittagessen im Restaurant, das ebenfalls der erwähnten Gastschülerin gehörte.
Shanghai aus der Luft und vom Wasser von Marcel, 15
Die Reise nach China hat mir sehr gefallen, da ich viele sehr interessante Dinge erlebt und neue Eindrücke gewonnen habe.
Auch während der Zeit in der Gastfamilie habe ich viele spannende Dinge gemacht. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis war die Besichtigung des Shanghai World Financial Centers. Mein Austauschpartner, seine Mutter und ich haben am zweiten Tag eine Tour durch ganz Shanghai unternommen, dessen Höhepunkt die Besichtigung eben dieses Gebäudes war. Zuerst mussten wir zwar Schlange stehen, aber die Aussicht über Shanghai aus gut 400 Metern Höhe hat diesen Aufwand eindeutig gelohnt.
Toll fand ich auch eine Bootstour durch den Hafen, die wir am Tag zuvor gemacht hatten. Entlang des Flusses gab es viele interessante Gebäude und Denkmäler zu sehen, zu denen mir mein Austauschpartner stets etwas erzählen konnte.
Auch im nächsten Jahr wäre ich sehr gern wieder mit dabei.
Karaoke – Singen begleitet die interkulturelle Verständigung von Dennis, 18
In den drei Tagen in meiner Gastfamilie hatte ich sehr viel Spaß. Mein Austauschpartner war sehr freundlich, genau wie seine Eltern. Einen Abend sind wir als Gruppe deutscher und chinesischer Schüler in eine Karaokebar gegangen. Wir hatten sehr viel Spaß dabei uns gegenseitig Lieder zu trällern, so verwunderte es auch nicht das ein Gastschüler das Ganze als einen „unforgettable evening“ bezeichnete. Auch die restlichen Tage verbrachten wir meist in einer Gruppe, was meiner Meinung nach auch sehr gut war, denn dadurch kam man untereinander vielmehr ins Gespräch.
Shanghai – Eindrücke „ohne Ende“ von Melissa, 18
Meine Zeit in Shanghai/ China war einfach fantastisch. Nirgendwo habe ich jemals so viele Eindrücke erlebt. Die drei Tage, die ich bei meiner Gastfamilie war, waren besonders interessant. Gleich nach dem ich von meiner Gastfamilie abgeholt wurde, fuhren wir in ein teures Restaurant, weil meine Gastmutter ihren Geburtstag feierte. So hatte ich die Gelegenheit die ganze Familie kennen zu lernen und zwar den Großvater, Cousinen, Onkel und Tante.
Um 23:00 h fuhren wir zum Fluss Pudong und ich hatte die Möglichkeit die Skyline von Shanghai in der Nacht zu erleben. Am zweiten Tag fuhren wir mit dem Auto zwei Stunden lang zu einem Tempel, der nach 180 Jahren für die Öffentlichkeit zum ersten Mal zugänglich war. Es waren Menschenmassen anwesend. Und als „Nicht“–Chinese fiel man leicht auf.
Abschließend möchte ich vom letzen Abend berichten, an dem sich einige von uns mit ihren Gastgebern in der Wohnung meiner Gastfamilie versammelten und gemeinsam aßen. Die Atmosphäre war sehr angenehm und wir hatten alle viel Spaß.